linienscharen

Selbstzünder, polyphon getaktet
Juli 2020 – dato

Auf der Suche nach neuem Antrieb, tat sich im 19. Jahrhundert die spontane Entflammung als Grundlage des Fortkommens auf. Unter Druck geraten und auf wenig Raum verdichtet, wird das punktuelle Freisetzen gebündelter Energie zu einer Kraftquelle, die Bewegung und damit neue Freiräume ermöglicht.

Ein Projekt der linienscharen. Selbstzünder

Grenzland  Traumland

Collegium maius und Michaeliskirche Erfurt (E)  20.6. – 26.7.2019

 

Katalogauszug:
Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes der EKM
Grenzland Traumland. Collegium maius Erfurt, 2019

 

[…] In der aktuellen Ausstellung der Künstlerin Sibylle Möndel mit dem Titel „Grenzland Traumland“ im Collegium maius und in der Michaeliskirche Erfurt werden Lebenserfahrungen von Begrenzung und der Sehnsucht nach einem weiten und freien Raum künstlerisch aufgegriffen und umgesetzt. Sibylle Möndel verbindet dabei die Technik des Siebdrucks mit gestischer Malerei und Zeichnung. Ihre Werke sind so in vielfacher Hinsicht mehrschichtig und erzeugen Räumlichkeit und Tiefe. […] Die Künstlerin fordert uns auf, genau hinzuschauen. Nicht wegzuschauen, nicht weiterzugehen, sondern anzuhalten, innezuhalten – wie in einer Zeitlupe – und sich berühren zu lassen. Und auf diese Weise dem Einzelnen gerecht zu werden, ihn wahrzunehmen und ihm seine Würde zu erhalten. Und damit das Menschliche wiederzugewinnen – für den anderen und für mich selbst als Betrachterin. […]

September 2016 bis Dezember 2017

Das Projekt wurde an sieben  Ausstellungsorten, als sich stets weiter entwickelndes Konzept gezeigt. Begleitend wurden die Ausstellungen durch Ausstellungskataloge dokumentiert.

Kunstverein Dahn  12.11. – 14.12.2017
Kunstverein Hochrhein, Villa Berberich Bad Säckingen  10.9. – 8.10.2017
Galerie Wendelinskapelle Marbach  21.7. – 20.8.2017
Galerie im Stammelbach-Speicher Hildesheim  28.5. – 25.6.2017
Galerie der Stadt Herrenberg  30.4. – 6.7.2017
Kulturkreis Grafenau, Schloß Dätzingen  17.3. – 2.4.2017
Kunstförderverein Weinheim   13.9. – 11.11.2016

 

 

Katalogauszug:
Reinhold Weinmann M. A., galerie grandel, Mannheim:
Grenzland | Traumland. Kunstförderverein Weinheim, 2016

[…] Zuerst sind es die Fragmente von Fotografien, welche den Betrachter vor die Werke bannen. Diese sind es, welche die Künstlerin mit dem Siebdruckverfahren und ebenfalls in mehreren gedruckten Schichten ins Werk aufnimmt. Zäune, Stacheldraht und Menschen erscheinen als die zentralen Motive. Sibylle Möndel führt uns ganz nah heran an diese Grenzen, die in einigen Werken von dem immer gleichen Beinpaar beschritten werden. Gegenwärtig verweisen uns diese wenigen Motivfragmente auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Ohne, dass sie die Künstlerin in ihren Werken darstellen muss, sind wir an die heimatlosen Menschen erinnert, die vor den verschlossenen Grenzen eines Landes warten, hoffen, überleben oder  sterben. Entsprechend ist das abgebildete Beinpaar das Zitat eines Pressefotos, das an der syrischen Grenze entstand.

Land ist jenes Wort, das Sibylle Möndel in der Bezeichnung ihrer Werkgruppe „GrenzLAND“ mit Großbuchstaben heraushebt. Länder schaffen Grenzen. Grenzen sollen Schutz schaffen und gewährleisten. Dabei kennzeichnen  Grenzen  das eigene sowie das fremde Land. Die adäquate Darstellung gelingt der Künstlerin dadurch, dass die Abbildung eines Zaunes immer bis zum Bildrand geführt wird. Der Betrachter ist herausgefordert, den Zaun über die Grenzen des Werkes hinaus weiterzudenken, über die Wand hinweg gedanklich fortzusetzen und den Zaun ankommen zu lassen in seiner Gegenwart. Und hier in jedem von uns kann Grenze und Land neue Bedeutungen annehmen. Rot ist die Farbe, welche für Möndel das Leben bedeutet, den Anfang und das Ende. Das Rot nimmt mit selbstbewusstem breitem Pinsel in vielen, der hier gezeigten Arbeiten, große  Flächen ein und schafft eine Projektionsfläche für die Fragen nach den Grenzen in uns allen. Denn es ist nicht ein Land das Grenzen schafft, sondern die Menschen, die in dem Land leben. Möndel verweist auf diese produzierten und projizierten Grenzen, die Furcht und Flucht bedeuten.

Daneben sprechen diese Werke den Betrachter in ihrer Stille, ihrer Zurückhaltung und dem übergeordneten Symbolgehalt uns in unserer Lebenssituation an und stellen Fragen nach den Grenzen in uns. […]